Berg am Laim



Luftbilderausstellung Berg am Laim

Im Rahmen der BN-Reihe "Ois zuabaun" beschäftigten wir uns mit dem Stadtviertel Berg am Laim. Es entstand eine Serie von vier Tafeln. Durch Klicken auf die Tafeln können diese vergrößert angesehen werden.


Igelrettung an der Hansjakobstraße

Igel im Winterschlaf - Foto: Reinhild Pott-Born

Seit einigen Jahren wird die Planung eines Wohngebiets auf dem ehemaligen Baumschulgelände an der Hansjakobstraße in Berg am Laim vorbereitet. Das Igelmonitoring der Ortsgruppe München Ost aus den Jahren 2009 und 2010 hat auf diesem Gelände die größte Igelpopulation in ganz Berg am Laim ergeben.

In den rechtlichen Verfahren zur Bebauung hat die Ortsgruppe Stellungnahmen abgegeben, um u. a. auf diese Population und die fehlende Naturverträglichkeit des Baus hinzuweisen. In einem Gespräch mit dem BA 14 Berg am Laim wurde später der Gedanke geboren, diese Igelpopulation vor Baubeginn an eine andere geeignete Stelle zu versetzen.

Wir haben bei der Regierung von Oberbayern eine Genehmigung eingeholt, um diese Maßnahme einleiten zu können. Mit den Bauträgern haben wir in vielen guten Gesprächen eine gedeihliche Zusammenarbeit vereinbaren können. Auch die Stadt München hat den Igelschutz in den Bebauungsplan mit aufgenommen.

Am 2. April 2013 konnten wir dann, mit tatkräftiger Hilfe des Tierheims München trotz des Winterschlafs der Tiere die Sucharbeiten und die Versetzung der Igel beginnen. Nachdem es wegen des Verhaltens der Igel, die immer versuchen, wieder einen Weg zu ihrem angestammten Gebiet zu finden, nicht möglich war, einfach ein Ersatzgrundstück auszuwählen, hat uns das Tierheim München angeboten, die Tiere dort bis zum Ende des Winterschlafs aufzunehmen. Dann sollen sie fachgerecht ausgewildert werden.

Die Suche nach den Igeln hat sich sehr schwierig gestaltet. Wir haben auch nur wenige Tiere finden können. Das Foto zeigt einen Igel im Winterschlaf, den wir ausgraben konnten. Einen Igel haben wir tot gefunden. Ein schöner Abschluss der Arbeiten ist gewesen, dass schon einige Tiere aus dem Winterschlaf erwacht waren. Diese Igel haben sich selbständig in sichere Gebiete auf dem großen Grundstück, die nicht von den Baumaßnahmen betroffen sind, begeben.

Die Aktion war trotz der geringen Zahl der gefundenen Igel ein voller Erfolg. Zum einen können wir ziemlich sicher sein, dass sich nach der intensiven Suche keine Igel mehr auf dem bedrohten Teil des Grundstücks befinden. Außerdem macht die Aktion Mut für eine weitere Igelsuche auf dem zweiten Teil des Grundstücks, die für Herbst 2013 geplant ist. Und nicht zuletzt haben wir mit dieser Maßnahme eine Öffentlichkeit für das Thema Igel geschaffen. Wir hoffen, dass sich zukünftig vielleicht der eine oder andere Bauherr seiner Verantwortung für die Natur und den Artenschutz bewusst wird und rechtzeitig vor Baubeginn Maßnahmen zum Schutz des Lebens ergreift.

Am 7. und 8. Oktober 2013 haben wir den zweiten Teil unserer Igelrettungsaktion durchgeführt. Diesmal waren wir auf den östlichenTeil des Grundstücks, das bauhaus München gehört aktiv. Auch dieser Bauträger hat uns bei unserer Aktion aktiv unterstützt und die Maßnahme unterstützend begleitet. Dieses Mal haben wir einen kleinen Igel retten und in das Tierheim München bringen können, der scheinbar den Anschluss an seine Familie bei der Flucht vom Baugrundstück verloren hat. Auch hier waren wir mit diesem kleinen Lebewesen glücklich, richtig gehandelt zu haben.

Unsere Erfahrung aus beiden Aktionen lässt sich wohl am Besten so beschreiben: Auch am Ende des Winterschlafs genauso wie in der Sommer- und Herbstperiode nehmen die Igel die Veränderungen in der Umgebung, sei es durch Veränderungen des Geräuschpegels, sei es durch die Vibrationen der aufgebauten Baumaschinen so rechtzeitig wahr, dass sie in benachbarte, nicht betroffene Flächen fliehen, sofern solche Fläche vorhanden sind. Aber nur durch den Einsatz für diese Tiere vor Ort kann ein solches Verhalten überprüft werden. Sind auch nur noch wenige Tiere vorhanden, muss der Naturschützer helfend eingreifen. Es bleibt also für die Zukunft viel zu tun.

Kommentar:

Wohl niemand hat in den letzten Jahren bei Bauvorhaben nachgefragt, ob Tiere oder Pflanzen ihre angestammte Heimat verlieren. Diese Diskussion ist längst überfällig.

Wenn nach Abschluss aller rechtlicher Verfahren vor allem Tiere ihre bisherige Heimat verlieren, darf uns das nicht gleichtgültig sein. Der Natur- und Artenschutz spielt bei den Planungsbehören der Stadt München eine so untergeordnete Rolle, dass kein Einklang mit Mensch und Natur, kein Einklang mit dem Leben mehr besteht.

Diese Unterscheidung zwischen menschlichem Leben und dem Leben in der Natur gilt es zu überwinden. Wenn es für uns Naturschützer im Endeffekt nur noch möglich ist, mit einer Ausnahmegenehmigung einige wenige Tiere, derer man habhaft werden kann, als "ultima ratio" zu retten, dann sind wir am Ende eines wirksamen Arten- und Naturschutzes in München angekommen.

Leider ist der Lebensraum in Berg am Laim für alle Tier- und Pflanzenarten unwiederbringlich zerstört. Dieser Vorwurf gilt an die Politik in München, im Freistaat und auf Bundesebene, die eine solche Entwicklung überhaupt zulässt.

27. Dezember 2013 Wolfgang Laufs


Ehemaliges Bahnbetriebswerk 4 - Bahndrehscheibe

In Berg am Laim steht ein Großgrundstück an der Südgrenze der Bahnlinie München-Rosenheim, westlich der Baumkirchnerstraße und nördlich der Neumarkter Straße zur Bebauung an.

Die Landeshauptstadt München (Planungsreferat) hat zusammen mit dem Bezirksausschuss Berg am Laim einen Bebauungsplanentwurf erstellt, zu dem wir mit Schreiben vom 11.04.2011 Stellung genommen haben. Im Bereich der Bebauungsfläche haben wir gegen die Bebauung keine wesentlichen Einwände, unter der Bedingung, dass einzelne schützenswerte Gehölzgruppen erhalten werden. Dabei können wir auch der geplanten Bebauung für Wohn- und Bürozwecke im geplanten Ausmaß zustimmen.

Wir freuen uns, dass die ökologischen Vorrangflächen im Westteil des Geländes aufgrund ihrer behördlicherseits festgestellten Wertigkeit und der ökologischen Bedeutung für ganz München erhalten und aufgewertet werden sollen.

Im nordwestlichen Bereich dieser Fläche liegt eine aufgelassene Bahndrehscheibe, die in den Planungsunterlagen nicht explizit erwähnt wird. Aus den bisherigen Unterlagen und nach Auskunft des Baureferats der LHM lässt sich aber schließen, dass auch die Bahndrehscheibe unberührt im Biotop verbleibt. Damit die Drehscheibe besichtigt werden kann, ist eine Aussichtsplattform im Rahmen eines aufgeständerten Rundweges geplant, der das Biotop vor Belastungen schützen soll. Auch diese Planung begrüßt der Bund Naturschutz.

Nun haben sich einige CSU-Stadträte aus dem Münchner Osten auf die Fahne geschrieben, diese Drehscheibe zu erhalten, zu restaurieren und für einen Tourismus-Bahnverkehr zu öffnen oder aber die Drehscheibe ganz aus dem Biotop zu entnehmen und an anderer Stelle restauriert zu betreiben. Neben den bereits von den Planungsbehörden und der Unteren sowie Höheren Naturschutzbehörde getroffenen Aussagen zur Bedeutung der gesamten Vorrangfläche ist fest zu halten, dass gerade der Bereich der Bahndrehscheibe mit ihrem Umfeld Lebensraum seltenster geschützter Arten ist.

Jeder Eingriff in das Biotop, sei es eine Wiederinbetriebnahme oder eine Verlagerung der Bahndrehscheibe, würde eine unwiederbringliche Zerstörung der ökologischen Vorrangfläche nach sich ziehen. Der Bund Naturschutz fordert deshalb ein klares Nein des Stadtrats zur Wiederinbetriebnahme der Drehscheibe. Wir fordern den Stadtrat  zugleich auf, einer Verlagerung der Drehscheibe eine eindeutige Absage zu erteilen.

Vor Kurzem hat der Stadtplanungsausschuss beschlossen, dass die CSU-Forderungen im Rahmen dieser Bebauungsplanung nicht umgesetzt werden können. Auch wenn dies im Stadtplanungsausschuss ein endgültiger Beschluss ist, stellt sich die Frage, ob nicht in einem anschließenden Verfahren die Ideen wieder aufgegriffen werden. Außerdem muss endgültig der Stadtrat entscheiden. Wir werden deswegen weiter wachsam die Entwicklung beobachten, um bei Bedarf schnellstmöglich aktiv zu werden.

Ber Bezirksausschuss Berg am Laim hat Alternativvorschläge für ein Eisenbahnmuseum auf dem ehemaligen Rangierbahnhofgelände in Berg am Laim gemacht, ohne dabei eine Verlagerung der Bahndrehscheibe in Erwägung zu ziehen. Dies wäre für Berg am Laim, den sog. "Eisenbahnerstadtteil", gewiss ein Gewinn. Aus unserer Sicht ließe sich auf dem Alternativgelände sicher ein Kompromiss zwischen Ökologie und Geschichte finden. Wenn auch zur Verwirklichung dieser Idee die finanziellen Mittel fehlen, wird der Bund Naturschutz weiter gesprächbereit sein. Wir werden dabei aus dem Auftrag unserer Mitglieder heraus weiterhin ein starkes Augenmerk auf die Berücksichtigung ökologischer Belange legen.

25. Oktober 2011 Wolfgang Laufs