Trudering-Riem



Neubaugebiet ehemaliges Gelände Piederstorfer

Wiese an der Friedrich-Creuzer-Straße
Fotos: S. Tschernich

 

Als eines der letzten großen Bauprojekte im Münchner Osten wurde das Neubaugebiet auf der Informationsveranstaltung am 13.10.2014 vorgestellt. Derzeit beginnt die Planungsphase, die im engen Kontakt mit den Bürgern stattfinden soll. Bei der Informationsveranstaltung wurde deutlich, dass die meisten Bürger insbesondere das Thema Straßenverkehr interessiert. Es wird eine große Offenheit gegenüber den Bürgerwünschen signalisiert. Diese Chance sollten Sie zur Einflussnahme nutzen.

Verbindung Ständlerstraße-Friedenspromenade: Stadt bricht ihr Versprechen

Es ist derzeit meist von einer Verbindung zwischen Karl-Marx-Ring und Friedrich-Creuzer-Str/Alexisweg die Rede. Lassen Sie sich nicht täuschen. Die Fakten sollten benannt werden: tatsächlich handelt es sich um eine Verbindung zwischen der Ständlerstraße und der Friedenspromenade, die - aktueller Stand der Planungen - diagonal durch das geplante Neubaugebiet verläuft. Dies würde zu einer Neuverteilung der Verkehrsströme im Münchner Osten führen. Die Stadt weicht hier von ihrem Beschluss von 2006 ab, dass eine Verbindung zwischen Ständlerstraße und Friedenspromenade nicht weiterverfolgt wird. Noch bei der Diskussion um die sogenannte Umfahrung Kirchtrudering 2011/2012 betonten Lokalpolitiker immer wieder, dass eine solche Verbindung nicht kommt. Die Bürgerinitiative "Keine Umfahrung Kirchtrudering" ahnte es bereits wie wir: Sehr viel schneller als gedacht ist es so weit. Die neue Verbindung soll die Niederalmstraße und die Zehntfeldstraße vom Durchgangsverkehr entlasten und wird dies voraussichtlich zunächst auch tun. Dennoch wird unserer Meinung nach wegen der entstehenden Sogwirkung der neuen, attraktiven Verbindung die Entlastung voraussichtlich geringer ausfallen als erhofft. Zusätzlich wird die neue Straße aber auch im weiteren Umfeld Veränderungen der Verkehrsströme bewirken, beispielsweise den Verkehr von der Feldbergstraße (voher Nord-Süd Hauptroute vom Hugo-Lang-Bogen aus) auf die Friedenspromenade verlagern bzw. dort konzentrieren. Die Friedenspromenade ist bereits heute durch den Verkehr stark belastet. Es befinden sich hier zwei Biergärten (mit entsprechendem Parkplatz-Suchverkehr, aber auch zahlreichen Radlern und spielenden Kindern), eine Grundschule und ein Gymnasium, ein Spielplatz, mehrere Kindergärten und eine Kirche, d.h. Orte, die auch von Fußgängern und Radfahren stark frequentiert sind. Die Grünanlage ist als übergeordneter Grünzug mit altem Baumbestand und wesentlicher Erholungsfunktion besonders zu schützen. Er verbindet den Truderinger Wald mit dem Riemer Park. Am südlichen Ende, wo die Friedenspromenade in die Friedrich-Creuzer-Str. übergeht, befindet sich ein Stadtbiotop und Landschaftsschutzgebiet im Übergang zum Bannwald. Bereits jetzt werden jedoch Forderungen laut, die Straße zu verbreitern oder zumindest Haltebuchten für die Busse und Linksabbiegerspuren zu schaffen, um den Verkehr flüssiger zu machen - in die Biotopflächen bzw. in den Grünzug hinein. Wir machen uns große Sorgen um den Grünzug und den daran angrenzenden Wald.

Wir wünschen uns eine sehr gut durchdachte Verkehrsführung - ohne Durchgangsstraße. Wir wünschen uns konsequenten Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs. Wir wünschen uns eine Schonung dieses sensiblen Bereiches zu Gunsten der Anwohner und des gesamten Stadtviertels, eine Entlastung und Verkehrsberuhigung: durch Tempo 30, Querungshilfen (Zebrastreifen, Ampel) für Fußgänger und ökologische Aufwertung und konsequenten Schutz des Grünzugs.

Dritter Ring

Die Friedenspromenade wird, sollten diese Planungen realisiert werden, die direkte Nord-Süd Verbindung zwischen der Wasserburger Landstraße und der Ständlerstraße darstellen. Bereits für sich allein betrachtet wird diese Verbindung eine enorme Sogwirkung entfalten, d.h. neuen Verkehr in die Gartenstadt, die Grenzkolonie und in das Neubaugebiet ziehen. Denkt man die Verbindung weiter in Richtung Messestadt, wie bereits bei der "Umfahrung Kirchtrudering" gefordert, evtl. sogar noch weiter in den Münchner Norden hinein, könnte hier neben dem Mittleren Ring und der A99 ein dritter Ring entstehen - mit den entsprechenden Auswirkungen für die betroffenen Stadtviertel. Bitte sehen Sie sich diese gedachte Verbindung einmal auf dem Stadtplan an. Denken Sie daran, was ein dritter Ring auch für die angrenzenden Stadtviertel und für die Nebenstraßen bedeuten könnte. Erfahrungsgemäß bringt der Neubau von Straßen nach einer kurzen Phase der Entlastung nur eine Zunahme des Individualverkehrs.

Wir hingegen wünschen uns einen konsequenten Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs, und zwar über schnelle und attraktive Verbindungen mit kurzen Taktzeiten. Der Münchner Osten und gerade die Truderinger Grenzkolonie sind, entgegen anderslautender Beteuerungen, immer noch unterversorgt. Daraus resultiert ein im Vergleich zum übrigen Stadtgebiet erhöhter motorisierter Individualverkehr. Wir wünschen uns darüber hinaus eine fahrrad- und fußgängerfreundliche Gestaltung, so dass das Auto nicht die einzige sinnvolle Lösung für Wege bleibt und alle anderen Mobilitätsformen verdrängt. Straßen, auf denen man als Radfahrer um sein Leben fürchten muss, haben wir in München bereits genug!

Bebauungsplan

Derzeit läuft ein Architektenwettbewerb. Was die konkrete Bebauung betrifft, ist noch Vieles offen - und damit auch noch gestaltbar. Eckpunkte wurden bereits deutlich: es sollen bis zu 1300 Wohnungen entstehen. Die Bebauung darf bis zu 13 Stockwerke hoch sein, dies sei noch "stadtbildverträglich". Es soll ein Übergang von der Hochhausbebauung in Neuperlach zur Gartenstadt Trudering geschaffen werden. Die Perspektive ist hier ausschließlich auf die Bebauung gerichtet, nicht jedoch auf den im Südosten angrenzenden Wald. Wir befürchten, dass nach und nach die Stadt immer weiter in den Wald hineinwächst. Bislang dienten das Kieswerk und die angrenzenden Felder als Abstandshalter zwischen der intensiven Bebauung Neuperlachs und dem Wald. Bei Realisierung des Bauprojekts wächst der Druck auf die angrenzenden Erholungsgebiete. Der berechtigte Wunsch der neuen Anwohner nach Beleuchtung und Übersichtlichkeit sowie Sicherheit der Wege am Wald entlang kann im Konflikt stehen zu den Bedürfnissen der scheuen Waldbewohner.

Wir wünschen uns einen sensiblen Umgang mit Wald und Waldrand zum Wohle der Wald- und Stadtbewohner, zum Schutz der Tierwelt und der letzten verbleibenden Freiflächen. Wir wünschen uns für das Neubauviertel ein sehr kluges und großzügiges Grün- und Freiflächenkonzept, damit sich die Bewohner gerne dort aufhalten.

Wenn Sie dieses Thema ebenso interessiert wie uns: Werden Sie aktiv!

  • werden Sie als Bürger aktiv! Sprechen Sie Mandatsträger der zuständigen Bezirksausschüsse auf das Thema an!
  • nehmen Sie an Informationsveranstaltungen und Diskussionsrunden teil und äußern Sie Ihre Bedenken! Noch ist eine Einflussnahme möglich!
  • stoßen Sie eine Bürgerinitiative an! beteiligen Sie sich - mit Leserbriefen, Anfragen an BA und Stadtrat und auf Bürgerversammlungen!
  • unterstützen Sie den BN bei seinen Aktivitäten im direkten Umfeld!
  • begreifen Sie sich selbst als Teil des Problems - steigen Sie, wenn möglich, aufs Fahrrad um oder erledigen Sie kurze Wege zu Fuß, auch Ihrer Gesundheit zuliebe!

17.10.2014


Hände weg vom Riemer Park - "Umfahrung" Kirchtrudering

Riemer Park. Foto: S. Tschernich
Riemer Park. Foto: S. Tschernich
Riemer Park. Foto: S. Tschernich

Der Stadtrat hat sich am 15. Januar 2014 für die Trasse 1a, die sogenannte integrierte Trasse entschieden. Vorausgegangen war eine jahrelange intensive Diskussion darüber, ob und auf welche Weise die Straße "Am Mitterfeld" vom Verkehr entlastet werden kann. Unter anderem waren mehrere Trassenvarianten im Gespräch, die die durch den Riemer Park führten. Der BN (Kreisgruppe München, Ortsgruppe München Ost) sprach sich gegen eine Trassenführung durch den Park aus. Durch die einstimmige Ablehnung der "Parktrasse" im Stadtrat  ist ein wichtiges Etappenziel erreicht. Die „integrierte Trasse“ führt durch das geplante Wohngebiet, den sog. Bauabschnitt 5 für Kirchtrudering. Diese Neubausiedlung würde durch eine leistungsfähige Strasse zerschnitten und die Neubewohner mit Lärm, Abgasen, Feinstaub in nicht vertretbarem Maße belästigt, so dass zusätzliche Lärmschutzbaumaßnahmen nötig werden. Auch wird diese Straße eine Sogfunktion entfalten, die mehr Verkehr ins Viertel bringt. Wir unterstützen dabei aus voller Überzeugung die Bürgerinitiative "Keine Umfahrung Kirchtrudering" und fordern eine reine Erschließungsstraße mit Tempo 30 für den Bauabschnitt 5 sowie weitere entlastende Maßnahmen für das Mitterfeld:

  • Errichtung einer Tempo-30-Zone für das Mitterfeld
  • Sperrung der kleineren Straßen in der Kriegersiedlung für den Durchgangsverkehr und Umwidmung in Anwohnerstraßen
  • Alternative Verkehrsführung für Durchgangsverkehr über die Straße "Am Hüllgraben" und den Schatzbogen (Optimierung der Beschilderung und Ampelschaltung)

Warum war der BN gegen eine Trassenvarianten durch den Riemer Park? 

  • Die Parktrasse hätte den ökologisch wertvollsten Bereich des Riemer Parks entlang der Tribüne zerstört. Dieser Bereich ist als Biotop kartiert und besonders geschützt, es sind Rote Liste der vom Aussterben bedrohten Arten betroffen
  • Durch eine stark befahrene Straße im Park wäre die Erholungsfunktion deutlich gemindert, die Stadtteile Trudering und Messestadt voneinander getrennt
  • Die Vernetzung von Grünflächen wäre zerstört, so dass Tiere nicht mehr ohne weiteres von einem Bereich in den anderen wechseln können
  • allenfalls kleinräumige Entlastung für die unmittelbaren Anwohner des Mitterfeldes, dafür unerwünschte Sogwirkung mit mehr Verkehr im Viertel als bisher, mit Auswirkungen bis zur Friedenspromenade
  • laut den Verkehrsprognosen keine Entlastung für die Truderinger Straße sowie für die Brücke am Schmuckerweg durch eine Umfahrung
  • Befürchtung, dass der schon verwitterte Vorschlag, die Ständlerstraße hin zur Friedenspromenade zu verlängern, wieder aus der Schublade gezogen wird, auch wenn dies derzeit vehement bestritten wird.

3. Februar 2014 Wolfgang Laufs, S. Tschernich


Antennen statt Bäume im Truderinger Wald?

Im Truderinger Wald soll eine Mobilfunkantenne errichtet werden. Natürlich möchten die meisten von uns nicht auf guten Handyempfang verzichten. Die Errichtung einer Mobilfunkantenne im Wohngebiet ist eine sensible Angelegenheit und stößt bei den direkten Anwohnern regelmäßig auf Widerstand. Warum also nicht das Problem der Antennen in dicht besiedelten Gebieten umgehen und die Antenne einfach in den Wald stellen, wo sich niemand gestört fühlt? So oder so ähnlich dachten wohl die Verantwortlichen, als sie die Anlage im Truderinger Wald genehmigten. Was auf den ersten Blick wie die ideale Lösung des Problems aussieht, stellt sich jedoch bei einigem Nachdenken als die denkbar schlechteste Lösung heraus:

Beim Truderinger Wald handelt es sich um ein wertvolles Naherholungsgebiet, das außerdem als Landschafts- und Wasserschutzgebiet ausgewiesen ist. Der Wald gilt als Bannwald, d.h. als als Ganzes schützenswertes Gebiet. Gerade im Ballungsraum München mit seinem hohen Siedlungsdruck stellt der Wald einen außerordentlich wertvollen und sensiblen Bereich dar, mit wichtigen Funktionen für das Klima, die Luftreinhaltung und den Wasserhaushalt. Durch eine Antenne wird auch der Erholungswert des Waldes empfindlich gestört. Fraglich auch, wie die Errichtung und der Betrieb des Turms umweltverträglich gestaltet werden soll. Sicherlich werden Baumaschinen nötig sein, die ja auch irgendwie den Standort mitten im Wald erreichen müssen? Möglicherweise wird die Antenne auch nachts weithin sichtbar sein, nämlich dann, wenn sie aufgrund der Höhe (geplant sind 43 Meter) wegen Flugsicherheit auch nachts beleuchtet sein muss. Außerdem ist zu bedenken, dass die Mobilfunkantenne des Betreibers lediglich ein Handynetz abdeckt. Wie soll in Zukunft mit den Begehrlichkeiten der anderen Netzbetreiber umgegangen werden? Sehen wir bald den Wald vor lauter Antennen nicht mehr? Sicherlich gäbe es eine Alternative zu diesem Standort, die besser geeignet wäre. Die Mentalität "aus den Augen, aus dem Sinn" kann, was Naturschutz angeht, heute keine Lösung mehr sein. Der Wald ist ein wertvolles Gut und keine Rumpelkammer, in der man unliebsame Dinge einfach verschwinden lassen kann!  

Geplanter Standort des Turms (Google Maps). Um sich den genauen Standort anzeigen zu lassen, klicken Sie auf der Google-Seite nochmals auf das blau  unterlegte Feld mit der Lupe oben rechts.  

Am 8.12.2009 überreichte die Bürgerinitiative gegen den Mobilfunkturm im Truderinger Wald über 1500 Unterschriften an Bürgermeister Hep Monatzeder mit der Bitte, sich des Themas nochmals anzunehmen. 

S. Tschernich, 8.12.2009